Teils rudimentäre Umgangsformen im Turniersport

Wo sind sie hin, die guten alten Zeiten, in denen die Welt noch in Ordnung schien und Respekt und Anstand keine Fremdworte waren? Falscher bzw. übertriebener Ehrgeiz verführt manche Sportler und auch deren Eltern, eigentlich alltägliche Werte zu vergessen. So auch am vergangenen Wochenende in Beesenlaublingen.

2014_Mittelfinger_BeleidigungEs waren die Landesmeisterschaften der Junioren, Jungen Reiter und Ponyreiter, eine Veranstaltung, die ausschließlich für Sachsen-Anhalts Nachwuchs-Reitsportler gedacht war. Was der Veranstalter dann jedoch erfahren musste, ließ ihn zum Teil fragend staunen. Wo sind sie hin, die guten alten Werte, welche von den Eltern und Großeltern an die Heranwachsenden vermittelt wurden? Offensichtlich wurde dieses kostbare Erbe zum Einen von den Jugendlichen ausgeschlagen und zum Anderen von den Vorbildern nicht weitergegeben. Bei Letzterem fällt auf, dass gerade diese Vorbildfunktion allzu oft fehlt und ein negatives Verhalten von Eltern und Betreuern an den Tag gelegt wird, welches auf dem Turnierplatz langsam aber erschreckend Einzug hält. Neid und Missgunst beherrschen im Reitsportlager streckenweise die Veranstaltung und nehmen ihr jegliche Attraktivität. Welchen Sinn macht es, seine kostbare Freizeit im teuren Reitsport dafür zu nutzen, um sich zu streiten? Wenn dann noch körperliche Gewalt angedroht wird, sollte doch dem einen oder anderen bewusst werden, dass hier einiges deutlich schief läuft.
Dieses Verhalten und der negative Umgang untereinander nehmen in den letzten Jahren wohl auffallend zu. So wird der Sportpartner Pferd für die Fehler des Reiters vom Reiter höchst persönlich bestraft und das schon im Nachwuchsbereich. Dem Pferd wird zeitweise so sehr zugesetzt, dass sich der Richter vom Richterturm genötigt fühlt verbal über das Mikrofon einzugreifen. Auffällig, Trainer und Betreuer stehen regungsarm bzw. regungslos daneben und greifen nicht ein. So auch in Beesenlaublingen erschreckend beobachtet.
Doch beim Sportpartner wird hier nicht halt gemacht. Der mangelnde Respekt verleitet junge Reiterinnen und Reiter sogar dazu, im Übermut nahezu zu ertrinken und den Grund für Fehler anstatt bei sich auch in der Parcoursmannschaft zu suchen. Diese wird dann „frei nach Schnauze“ vor allen Anwesenden beschimpft, dessen Fortsetzung nach dem Ausritt keineswegs begrenzt wird. Stattdessen finden die motzenden und vermeintlichen „Shootingstars“ der Zukunft Zuspruch von den Mitreisenden. „Ich war fassungslos und habe eine Entschuldigung für diese unangemessene Aktion gefordert.“, berichtete Marina Graul, Vorsitzende des veranstaltenden Vereins. „Wenn sich nicht entschuldigt wird, machen wir von unserem Hausrecht gebrauch und verbieten damit die weitere Teilnahme!“, betonte Graul scharf und erhielt diese Entschuldigung erst am Sonntag, nach einem ganzen Tag Überlegungszeit.
Doch damit nicht genug. Der mangelnde Respekt Pferd und Mensch gegenüber machte auch vor der Leistung der Veranstalter nicht halt. So wird der Wall auf dem offiziellen Abreiteplatz als Picknickfläche genutzt, der Müll in unangemessenem Maße liegen gelassen und die dort gelagerten Stangen als Spielplatz für die Kleinsten genutzt. Auch hier kein Einschreiten der Eltern oder die Einsicht von den der Müllamnesie Verfallenen. „Unsere Mitglieder helfen hier ehrenamtlich und sind keine Müllmänner!“, führt Graul fort und ist sich nicht ganz sicher, ob Sie der diesjährigen Veranstaltung in Anbetracht dieser Ereignisse viel positives abgewinnen kann.

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Falscher Ehrgeiz mit Gesundheitsgefährdung

Meinen persönlichen Tiefpunkt fand ich in Beesenlaublingen in dem falschen Ehrgeiz, welcher von Eltern gehegt wird. Hier wird die Gesundheit des eigenen Kindes trotz fachkundiger Einschätzung und Beratung aufs Spiel gesetzt. Erst das intensive Einwirken zahlreicher Mitstreiter reichte aus, um die aus meiner Sicht richtige Entscheidung zu fällen. Denn nicht nachvollziehbarerweise wurde ein Sturz, der eine Betreuung durch das anwesende Rettungsdienstpersonal notwendig machte, herunter gespielt und dessen potenzielle Gefahr selbst nach professioneller Untersuchung in einem Krankenhaus wohl nicht adäquat wahrgenommen. Vielleicht scheinen sich einige der Tatsache nicht bewusst, dass Reiten zwar einer der schönsten Sportarten der Welt ist, gleichzeitig aber auch zu den gefährlichsten gehört.
Übrigens: Stürze vom Pferd gehören unter den Rettungsassistenten und –sanitätern zu den gefürchtesten, denn hier kann alles passieren. Sogar der schlimmste Ausgang ist möglich, was die aktuelle Tragödie in Luhmühlen vor zwei Wochen beweist.

Ungewisse Zukunft

Wie wird die Zukunft im hiesigen Reitsport aussehen, wenn jetzt schon der Nachwuchs Verhaltensweisen an den Tag legt, die fern von Gut und Böse sind. Herr Knigge würde sich wohl im Grabe umdrehen, denn die Art und Weise auf dem Turniergelände kann man wohl nicht mal mehr als „Umgang“ beschreiben. Eher wohl ein permanenter Kampf, der den sportlichen Wettkampf in den Hintergrund rücken lässt.

Diskussion

  1. Sandra schreibt:

    Eigentlich sollte doch Sport auch sowas wie Disziplin, Verantwortung und Teamgeist fördern. Also irgendwas scheint in dieser Welt mächtig schief zu laufen…?! Aber wenn schon bei den Eltern leichtsinniger Ehrgeiz, fehlende Vobildfunktion und Ignoranz an den Tag gelegt wird….was soll ich sagen, der Apfel fällt nicht weit vom Birnenbaum! Es gab mal Zeiten, da wurden einem noch Werte vermittelt…. 🙁

  2. Leider muß man konstatieren, daß ein gesamtgesellschaftliches Problem auch vor dem Reitsport nicht halt macht. Die Beobachtungen, die Andreas schildert, können Beobachter sicher auch von Fußballplätzen, Eiskunstlauf-Arenen oder Turnmatten berichten. Der Druck der Leistungsgesellschaft macht aus dem Willen zum Siegen im sportlichen Wettbewerb einen gnadenlosen Überlebenskampf, die Freude am Wettstreit spielt so gut wie keine Rolle mehr.
    Lobenswert ist der Enthusiasmus von immer noch aktiven Vereinsmitstreitern, wie oben beschrieben, die entgegen der Strömung darum bemüht sind, immer noch sehr gute Rahmenbedingungen für den Sport und die Sportler zu schaffen, verantworten können sie diese Entwicklung nicht, korrigieren erst recht nicht. Wohl denen, denen es gelingt, im eigenen kleinen Vereinskosmos die Ideale des freundschaftlichen Miteinanders und des fairen Sports hoch zu halten und auf die positive Wirkung des Vorbildes zu hoffen.

  3. Frank schreibt:

    Als Vater zweier Kinder die seid vielen Jahren reiten, kann ich diese drastische Schilderung im Juniorenbereich nicht bestätigen. Sicher, der Reitsport hat sich wie alles andere auch, weiterentwickelt. Einfache Umgangsformen wie beim begrüßen jemanden die Hand zu geben u.a. scheinbar ganz normale Dinge müssen auch bei uns im Stall immer wieder ” trainiert” werden. Verbale Entgleisungen ob von Jugendlichen oder Eltern sind eher die Ausnahme als die Regel. Auf Turnieren kommt der Moment der Anspannung bei allen Beteiligten hinzu. Die, die sich nicht unter Kontrolle haben, sind auch im normalen Leben außerhalb der Reiterwelt sicher ähnlich impulsiv. Wenn der Kontrollverlust tatsächlich dazu führt, das die Gesundheit von Reitschülern oder gar den eigenen Kindern auf das Spiel gesetzt wird, liegt es in der Verantwortung der Richter an dieser Stelle einzuschreiten. Diesen schmalen Grat zwischen Einmischung und Verantwortung zu gehen, bedeutet auch Zeichen für Vernunft und Respekt zu setzen.
    Unser Verein hat letztes WE eine größere PLS ausgerichtet. Niemand hat sich nur annähernd Verhalten, wie im Artikel beschrieben.

  4. Christiane schreibt:

    Das was hier geschrieben steht, ist wirklich schlimm.
    Ich gebe meinem Vorschreiber recht – diese Beobachtungen wird man immer wieder da machen, wo es um Leistung geht.

    In diesem Fall ist es besonders befremdet – es geht ja nicht nur die Menschen an – sondern den Partner Pferd.

    Ich glaube das Wichtigste ist, dass gerade Trainer von Turnierstartern ordentlich geschult werden.
    Nicht nur im Reiten sondern auch in der pferdegerechten Haltung und Pflege der Pferde und vor allem in sozialer Kompetenz. Die Trainer sind letztendlich diejenigen die in erster Linie Einfluss auf den Reiter oder die Reiterin haben.

    Da sind die Vereine gefragt und auch die Verbände – Die Trainerausbildung sollte dementsprechend angelegt werden.
    Ein Manko:
    Leider gibt es immer noch Trainer, die nicht mal einen anerkannten Ausbilderschein haben – das sollte nicht mehr geduldet werden.

  5. Nick schreibt:

    Leider, und da muss ich dem Post von Frank, dem Reiterkindervater entschieden widersprechen, finden sich derartige Vorfälle gehäuft wieder, nicht nur im Jugendbereich.

    Dabei scheinen grundlegene Werte wie Fairnes, Korrektheit und Mindestanstand immer mehr auf der Strecke zu bleiben. REITER kommt von Ritter, hier im Gesonderten von denen, die mit Mut, Herzblut und Ehrgeiz für ihren Lehnsherren kämpften und genau so auch Niederlagen hinnahmen – ritterlich! Daher auch der Begriff in seiner Ursprungsform. Wenn der Trainer meiner Töchter derart auffällig werden würde, hätte er mit sofortiger Wirkung frei! Sport soll auch Werte vermitteln, Umgang mit anderen Teilnehmern schulen sowie die Tatsache, dass Sieg und Niederlage zu jedem Wettkampf gehören, zu jedem! Wer Fehler bei Anderen sucht, für den reicht es bei mir nichteinmal mehr für Mitleid!

    Was einem diesbezüglich (gottlob, nur teilweise) im modernen Reitsport dargeboten wird, lässt nichts als einen Ausdruck zu: beschämend. Mich stört an der Schilderung des Autors eine Sache ganz gewaltig: es fehlen die Namen der Protagonisten! Denn SOLCHE LEUTE haben in KEINER Sportart etwas verloren, nichtmal im Rugby!
    Sofortiger Platzverweis, öffentlicher Aushang zu den Vorkommnissen und natürlich Ausschluss aus Verein/ Vereinigung – sofort, lebenslang!

  6. Ilona schreibt:

    Ein sehr guter Beitrag und genau auf den Kopf getroffen. Auch ich beobachte seit einiger Zeit den rüden Umgang mancher Reiter mit ihrem Partner Pferd. Und auch ich bin der Meinung, dass diese Verhaltensweisen immer früher anfangen und von KEINEM geahndet werden, alle schauen weg. Dieses Verhalten dürfen wir uns nicht bieten lassen!
    Ich kann nur hoffen, dass Reiter, Trainer, Eltern und vor allem Kampfrichter aufwachen und gegen dieses Verhalten strikt vorgehen.
    Es ist sehr traurig, aber manche Pferde müssen vor ihren Reitern geschützt werden und das nicht nur auf dem Turnier!!!

  7. Ralf schreibt:

    Ich bin anderer Meinung!
    In einigen Ansätzen gebe ich ihnen Recht. Aber dieser Artikel ist mit seinen starken Übertreibungen, seiner teils nicht ganz wahrheitsgemäßen Aussagen und seinen Anschuldigungen gegen Einzelne, die so umschrieben wurden, dass natürlich Jeder, der in Beesenlaublingen war, weiß um wem es sich handelt, wohl auch kaum der richtige Weg. Kann der Veranstalter denn nicht für sich selber sprechen bzw. schreiben? Wir Reiter gehören doch schließlich zu Ihrer Kundschaft.
    Ich, als Turnierreiter (allerdings in Besenlaublingen dieses Jahr leider nur Zuschauer) habe wohl in einigen Dingen eine andere Sichtweise. Denn bei dieser Landesmeisterschaft wird den Teilnehmern einiges abverlangt, dass es in solchen Stresssituationen mal zum falschen Ton kommt ist nicht schön, passiert aber, denn Reiter sind auch nur Menschen. Ähnliches erleben wir zur Zeit auch beim Fußball.
    Ich finde es nicht angebracht, über „am Rand Stehende Betreuer und Trainer “ und über Eltern zu urteilen. Diese Personen opfern viel Freizeit, bringen persönliches Engagement, Einfühlungsvermögen und nicht zuletzt auch ihr Geld, um diesen Sport überhaupt zu ermöglichen.
    Eltern und Trainer sind Leute, die im wahren Leben ihren Mann stehen und diese werden hier dargestellt als wären sie die letzten Sklaventreiber . Auch kennen Eltern ihre Kinder besser. Sie können den Gesundheitszustand ihrer Kinder beurteilen und wenn diese von Beruf Arzt sind, finde ich es schon sehr frech, es so darzustellen, als wären sie vom Ehrgeiz zerfressen.
    Es wird sie wohl nicht geben die „Rabeneltern“ die den Sport über die Gesundheit ihres Kindes stellen.
    Da es bei dieser Landesmeisterschaft ja nicht nur um den Meistertitel, sondern auch um die Qualifikationen zur DM geht, darf es auch einfach nicht passieren, dass Mitglieder des Parcoursteams wiederholt Reiter im laufenden Parcours durch ihre Anwesenheit in Kombinationen behindern. Ich weiß nicht, wie ich in einer solch gefährlichen Situation reagiert hätte. Schlimm ist es auch, dass dieses vom Personal bestritten wird. Zum Glück gibt es ja genug private Fotos und Videos.
    Zur Richtigstellung muss auch gesagt werden, dass zu keiner Zeit ein Müllproblem zu erkennen war, Vielleicht räumen sie selbst ein, übertrieben zu haben. Auf Plastikbierbecher wurde Pfand erhoben und ansonsten war das Verpflegungsangebot nicht so groß. (Pommes gab es schon ab Samstag 13.00 Uhr nicht mehr.)
    Auch kann ich nichts Schlimmes an spielenden Kindern finden. Diese haben den pöbelnden Ton des Parcoursteams nämlich am wenigsten verstanden. Im Übrigen handelte es sich hier lediglich um zwei sogenannte „Reiterkinder mit Eltern, die schlimme Vorbilder sind“. Die anderen Kinder gehörten zum Veranstalter selbst, was ja auch zum Glück auf privaten Fotos sehr schön zu sehen ist, denn die Schleifenkinder waren ja besonders schick gekleidet.
    Die Pferde wurden dieses Wochenende wirklich nicht geschont, was aber weniger an den Reitern, sondern den Schlechten Verhältnissen auf dem Abreite- und Springplatz lag. Es hätte wirklich viel gebracht, den Platz vor oder während der Veranstaltung zu wässern. Auch auf dem Dressurplatz, besonders auf dem Abreiteplatz hätte man mit Wasser mehr gesehen.
    Es ist wirklich schade. Jeder weiß, wie schwer es ist ein solches Turnier durchzuführen. Wir hatten in den letzten Jahren zwei schöne LM in Beesenlaubligen. In diesem Jahr hatte man den Eindruck, dass die Chemie zwischen Reitern und Veranstalter von Anfang an nicht stimmte.
    Ich hoffe aber, dass sie dennoch Fair bleiben (war ja immerhin eins ihrer Themen ) und veröffentlichen meinen Kommentar ebenfalls auf ihrer Seite.

    • Steffi Busse schreibt:

      Heute möchte ich mich zu diesem Thema äußern, ich gehöre zum Reitverein Poplitz am Schloßhof. Offensichtlich weiß keiner von den Reitern und Betreuern wieviel Arbeit dahinter steckt, eine solche Veranstaltung auzurichten. Wir Vereinsmitglieder und Angehörigen nehmen dafür unseren Jahresurlaub, um diese Meisterschaft zu organisieren und den Platz dafür Vorzubereiten.
      Wie wir aber in diesem Jahr feststellen mussten , durch fehlende Umgangformen und Resepektlosikeit,
      wurde unsere Arbeit mit ” Füßen getreten”,
      Wir haben uns gefragt warum wir uns das jedes Jahr, auf uns zu nehmen?!
      Unser kleiner Verein zählt 20 Mitglieder. Die Reiter und Betreuer die keine Umgangsformen kennen, sollten sich mal fragen was sie bewogen hat ein Reiter zu werden. Ich bin mir ziemlich sicher; DIE LIEBE ZUM PFERD!
      Unseren Mitgliedern liegt am Herzen den Nachwuchs Reitsport aufrecht zu erhalten, deshalb zeigen wir Poplitzer soviel Herzblut und Einsatz. Ich hoffe wir sie sehen uns im nächsten Jahr an einem anderen Ort zu den Meisterschaften, dann können wir ja auch mal ” KLUG reden”.

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