Equine Lymphdrainage – Therapie gegen “Dicke Pferdebeine”

In der Humanmedizin seit dreißig Jahren etabliert, zieht die Equine Lymphdrainage vermehrt in den tier- ärztlichen Behandlungsalltag ein. Dabei kann die Lymphdrainage nicht nur postoperativ Anwendung finden. Auch “angelaufene Beine” und chronische Phlegmonen können mit ihr behandelt werden.

Während ich 2010 die Manuelle Lymphdrainage im vierwöchigen Intensivkurs erlernte, sprach die Dozentin von den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten dieser Therapie. Eines der zahlreichen Beispiele sei auch speziesübergreifend die  Lymphdrainage am Pferd, welche mehr und mehr Zuspruch findet, denn auch Pferde können unter angeschwollenen Extremitäten leiden. In diesem Moment horchte ich auf, informierte mich über diese Therapieform und war von den persönlichen Erfahrungen und Erfolgen meiner Dozentin begeistert. Kurz darauf meldete ich mich dann für den Kurs der “Equinen Lymphdrainage” an.

Am letzten Wochenende war es dann soweit und der Kurs sollte in Hannover starten. Freitag früh um fünf war für mich Abfahrt, die Landeshauptstadt Niedersachsens als Ziel. Im Hörsaal vom etwas verspäteten Professor begrüßt, ging es direkt los mit der Anatomie und Physiologie des Lymphgefäßsystems, nur zwei der vielfältigen Programminhalten, die noch folgen sollten. Kurz darauf ging es bereits zur Praxis über.

Praktische Anwendung der “Equinen Lymphdrainage”

Zur praktischen Anwendung der “Equinen Lymphdrainge” gehören neben der manuellen, mit der Hand ausgeführten Arbeit am Lymphsystem die Kompressionsverbände. Schon hier gab es die erste Warnung durch den Professor, als er auf die falschen Anwendung von Kompressions-STRÜMPFEN hinwies. Die beste, effektivste und nachhaltigste Entstauung ödematisierter Beine erfolgt lediglich durch die Kombination von Kompressionsverbänden und der manuellen Lymphdrainage. Aus diesem Grund wickelten wir sowohl am Model, als auch am echten Pferd unzählige Kompressionsverbände. Die Unmengen von Watte und anderer Binden ließen sich zu Beginn nicht immer in die gewünschte Form bringen. “Es ist nicht ungewöhnlich, dass das Anlegen der Kompressionsverbände am Anfang schwierig ist. Aber keine Sorge, je schlechter die Watte, um so besser die Verbände.” – waren die tröstenden Worte von der verantwortlichen Dozentin für uns. Die verwendete Polsterwatte wurde aus Kostengründen sehr oft verwendet, was deren Zustand nicht umbedingt verbesserte. Die Prophezeiung der Dozentin bestätigte sich voll und ganz, denn am Sonntag, während der letzten Übungsstunde, war die Polsterwatte schlecht, aber der Verband gut.

Neben den Kompressionsverbänden ist die manuelle Lymphdrainge ein weitere wichtiger Bestandteil der Behandlung. Nachdem der Professor diese im Hörsaal zeigte, übten wir in weiteren Übungsstunden an echten Probanden die richtige Griffführung. Hier war die vor Beginn des Kurses angeführte Aufforderung, Schuhe mit Stahlkappe mitzubringen, sehr hilfreich, denn der unmittelbare Körperkontakt zum Probanden Pferd birgt diverse Risiken für die Füße des Behandelnden. Sehr froh war ich in diesem Moment über die ruhigen “Klinikpferde”, welche die angewendeten Griffe mit absoluter Ruhe duldeten und uns das Erlernen dieser erst ermöglichten.

Nach der schriftlichen Prüfung am Sonntag ging es dann zur letzten Übungsstunde. Thema: “Lymphdrainageputzen”. Diese Art des Putzen fördert den Lymphfluss und unterstütz somit die eigentliche Therapie. Diese Form des Putzens ist von jedem erlernbar und kann auch beim “gesunden” Pferd das Lymphgefäßsystem unterstützen.

“Equine Lymphdrainage”, eine innovative Behandlungsmöglichkeit, welche in der Humanmedizin schon etabliert ist, kann bei einer Vielzahl verschiedener Erkrankungen am Pferd hilfreich sein und deren Heilungsverlauf maßgeblich verbessern. Dazu gehören:
– “angelaufene Beine”
– “chronische Phlegmone”
– “Lumbago” (Kreuzverschlag)
– “postoperative Ödembildung”

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